05.04.2013

Gute Arbeit: Kommunikationsarbeit für ein widerständiges Projekt

Wolfgang Storz (Bund-Verlag)
Manchmal leisten Menschen mit spontanen bildhaften Beschreibungen ihres Alltages mehr an markanter Aufklärung als wissenschaftliche Untersuchungen und die aufwändige Arbeit von Kommunikationsstäben. Klaus Pickshaus hat das folgende Zitat eines IG Metallers irgendwo und irgendwann eingesammelt: "Gute Arbeit ist, wenn es mir am Sonntag nicht vor dem Montag graust, ich am Mittwochabend nicht schon beim Vorabendprogramm einschlafe und am Freitagnachmittag Zeit und Geld für den Wochenendeinkauf habe."

"Sie leisten gute Arbeit“, sagt der mittelständische Unternehmer und klopft seinem Beschäftigten auf die Schulter, der fleißig und unermüdlich für den Lohn schafft, den er schon vor drei Jahren erhalten hat: "Weiter so." "Leisten Sie endlich gute Arbeit, wie Ihr Kollege da drüben", sagt dieser Unternehmer eine Halle weiter zu demjenigen, dessen Ausschuss geringfügig höherist. "Wir verlangen von Ihnen gute Arbeit für alle Beschäftigten“, sagt der Betriebsrat in den Verhandlungen mit dem Management. Und meint: Die Maschine, der Sitzplatz, die Materialien, die Taktzahlen, die Beleuchtung, der Lohn, die Belüftung in der Produktionshalle, die Arbeitsintensität, die Arbeitszeiten – das soll alles so geregelt sein, dass der Arbeitnehmer gut und sicher arbeiten kann, seine Gesundheit auf keinen Fall gefährdet, seine Familie nicht nur ordentlich ernähren, sondern auch häufiger als bisher sehen kann. "Da haben Sie aber gute Arbeit geleistet", sagt die verzweifelte Hausfrau zu dem Handwerksmeister, der ihr soeben die leckende Wasserleitung zügig repariert hat.

Gute Arbeit ist auf den ersten Blick ein Begriff, mit dem viele hausieren, hantieren und ihn nach eigenem Gutdünken mit ihren Interessen auffüllen. Der Begriff Gute Arbeit ist also vielsagend. Sagt er zu viel? Und: Kann jemand überhaupt gegen Gute Arbeit sein? Wird dieser Begriff also die Kontroversen auslösen, die derjenige benötigt, der sich in dieser themen- und informationsüberfluteten Welt Aufmerksamkeit verschaffen will?

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